Skip to content

Tropische Backwater Idylle in Kerala

Voller Vorfreude auf die beiden Tage in den Backwaters und Tobis 30. Geburtstag, sind wir heute Morgen Richtung Busbahnhof gestartet. In der einen Hand die kritzelige Wegbeschreibung und in der anderen Hand die erste grüne Mini-Banane in meiner Reisegeschichte. Und wisst ihr was? Sie schmeckt ganz genau wie die herkömmliche große gelbe Banane.

Der erste Bus war ganz angenehm aber beim Umsteigen in den zweiten Bus wurde es ziemlich abenteuerlich. Um den richtigen Folgebus zu erreichen, mussten wir eine 4-spurige Straße im morgendlichen Ameisenverkehr überqueren. Hätten die Polizisten nicht irgendwann Mitleid gehabt und uns geholfen, würden wir wohl heute noch dort stehen und warten.

Busbahnhof

Der zweite Bus war wie gewohnt völlig überfüllt und Tobi und ich durch die Geschlechtertrennung weit voneinander entfernt. Da wir beide nicht genau wussten wo wir aussteigen müssen, war es gar nicht so einfach sich über 60 Köpfe, ständiges Hupen und wahnsinnig laute Musik hinweg, abzustimmen. Letzendlich hat es aber geklappt und wir wurden an der richtigen Haltestelle von unserem Pick-Up zum Backwater Farm House abgeholt.

Ankunft im Paradies

Über Stock und Stein ging es mit der Rikscha immer weiter in den tropischen Wald hinein. Am Ende unserer Fahrt sind wir aus dem Staunen gar nicht mehr raus gekommen. Dieser Ort ist eine paradiesisch schöne Oase, die sich kaum in Worte fassen lässt. Hier ein paar erste Eindrücke:

Den offiziellen Check-In mussten wir erst mal verschieben weil es wie so oft keinen Strom gab. Da es in Indien zum Glück nicht so bürokratisch zugeht wie bei uns in Deutschland, war es kein Problem und wir konnten direkt unser kleines Hausboot beziehen. Es ist ein sogenanntes Kettu Vallam, das früher als Reisboot genutzt wurde.

Unser Hausboot

Das Besondere an unserem Hausboot ist die Tatsache, dass es ohne Motor betrieben wird.
Damit schont man nicht nur die stark belastete Umwelt, sondern hat zugleich ein einmaliges Erlebnis. Die genauere Umweltproblematik und unseren Tipp, wie man sie umgeht, findet Ihr in diesem Beitrag.

Die Ausstattung war ebenfalls super: Eine Küche, ein kleines Schlafzimmer mit noch kleinerem Bad und ein richtig gemütlicher Außenbereich. Es hat nur wenige Minuten gedauert, bis wir alles um uns herum vergessen und die unendliche Entspannung und Glückseligkeit genossen haben. Außer diesem, gab es nur noch einen einzigen Moment in Indien, der sich ähnlich angefühlt hat: Die Wüste Thar.

Zwei Fuhrmänner haben den kompletten Tag lang vollen Körpereinsatz gezeigt und uns mit langen Bambusrohren vorangetrieben. Zwischendurch ist immer mal wieder einer in der Küche verschwunden und hat uns verschiedene Leckereien zubereitet.

Landgang an den Strand

Nach einer Weile haben wir an einer verlassen wirkenden Stelle gehalten und bekamen ein Zeichen von Bord zu gehen. Da der vordere Fuhrmann nur sehr schlecht Englisch gesprochen hat, haben wir kaum verstanden was nun passieren würde. Ohne Schuhe und sonstiges Zubehör sind wir mit ihm losmarschiert. Vorbei an Zimt- und Mangobäumen, haben wir es immer mehr bereut keine Schuhe mitgenommen zu haben. Der Boden wurde immer steiniger und die Schmerzen immer größer.

Nichts desto trotz war es ein schöner Spaziergang mit krönendem Abschluss: Nach einem größeren Hügel standen wir völlig unerwartet an einem wunderschönen, einsamen Strand. Da ich keine Badesachen dabei hatte, konnte leider nur Tobi ins Wasser. Ich hab‘ die Zeit genutzt mich -soweit möglich- mit dem Fuhrmann zu unterhalten.

Zurück an Bord ging es wieder Richtung Heimathafen, wo wir die Anker gelegt und den Abend vebracht haben.

Moskitos zum Abendessen!

Da bin zum Abendessen noch etwas Zeit blieb, haben wir beschlossen einen kleinen Spaziergang in den Palmenwald zu unternehmen. Außer uns beiden und dem vielen grün, war weit und breit Nichts und Niemand zu sehen. Bis wir nach einer langgezogenen Kurve plötzlich von super süßen Kids überrascht wurden. Die Kleinen haben sich natürlich riesig über uns gefreut und sich gleich auf uns gestürzt. Picture, pen und show picture waren die einzigen englischen Worte, die sie sagen konnten. Da wir leider keine Stifte dabei hatten, konnten wir Ihnen nur den Fotowunsch erfüllen.

Als wir zurückkamen, war schon alles vorbereitet und wir mussten uns nur noch an den gedeckten Tisch setzen. Das Essen war wieder sehr lecker, aber auch wahnsinnig scharf. Ich konnte es nur mit Unmengen an Reis genießen. Hinzu kamen die vielen Moskitos, die uns den restlichen Abend und die Nacht hindurch versucht haben aufzufressen. Wir haben uns dadurch aber nicht die Laune verderben lassen und uns lieber über die vielen Geckos amüsiert, die wiederum die Moskitos gefressen haben. Der Kreislauf des Lebens!

Die Stunden gingen super schnell vorbei und schneller als gedacht war es Mitternacht. Ein leises Happy Birthday, eine Kerze und ein paar Oreo Kekse haben ausgereicht, um Tobis 30. Geburtstag angemessen zu begrüßen.

Goodbye my boat, Goodbye

Nach einem grandiosen Frühstück, mussten wir unser Boot verlassen und in unser kleines Bungalow am Farmhaus umziehen. Direkt am Wasser, urgemütlich eingerichtet und mit Dusche im Freiem war der Abschiedsschmerz schnell vergessen. Auf das Bootfahren mussten wir auch nicht lange verzichten, denn schon kurze Zeit später stand ein kleines, wackeliges Bambusboot vor unserer Tür. Ein Ausflug mit dem hier ansässigen alten Bauern gehört wohl zur Zimmerbuchung dazu und hat sich als echter Glücksgriff erwiesen.

Er hat uns viel über Kerala und sein Leben hier erzählt. An großen Plantagen und Fischereibetrieben vorbei, hat er uns schließlich zu einem Spazierweg geschippert, den wir gemeinsam entlang gelaufen sind. Dort konnten wir lernen, wie man im Handumdrehen aus Kokosnussfasern Seile dreht.

Am Nachmittag konnten wir mit einem noch kleineren Boot selber durch die Gewässer paddeln und schließlich einen entspannten und glücklichen Abend am Farmhaus verbringen. Unser Highlight dabei war der liebe Jaq, ein faszinierender Engländer, der seinen Job in der Versicherungsbranche gekündigt hat, um nach dem wahren Sinn des Lebens zu suchen und darüber Bücher zu schreiben. Wir saßen viele Stunden beisammen und haben über das Leben und die Liebe philosophiert. Ein ganz besonderer Mensch, an den wir bestimmt oft zurück denken werden.

Jaq und Tobi

 

Nun ist unsere Zeit hier in Kerala schon vorbei und wir freuen uns auf die nächste und letzte Etappe unserer Reise: Goa!

Be First to Comment

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *