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Schafskäse in den Transsilvanischen Alpen

Genauso lecker wie das gestrige Abendessen war auch unser heutiges Frühstück. Nicht nur lecker, sondern auch gewöhnungsbedürftig – denn wer es im Alltag vorzieht nur Obst und Joghurt zu frühstücken, muss sich mit der deftigen Kost zur frühen Stunde erstmal anfreunden. Voller Köstlichkeiten und Vorfreude auf die Transfogarascher Hochstraße (Transfăgărășan), die uns in wenigen Stunden in und über die Transsilvanischen Alpen (Făgăraș-Gebirge) bringen würde, ging es direkt im Anschluss los. Die Gebirgsgruppe liegt inmitten der Südkarpaten und die steilen Serpentinen verbinden Siebenbürgen mit der Walachei. Unsere Fahrt wurde allerdings schon nach 100m unterbrochen, um ein kleines Highlight meiner Familiengeschichte zu würdigen.

Die kleine Bank für die große Liebe

Die große Liebe öffentlich zu zeigen war früher alles andere als selbstverständlich. Daher mussten sich meine Eltern in den Jahren vor ihrer Hochzeit stets zurückhalten und abends brav nach Hause gehen, anstatt beieinander zu sein. Der gelbe Hof auf den folgenden Bildern ist das Elternhaus meiner Mutter und wurde später auch zu meinem ersten zu Hause. Die kleine Nische in der Wand wurde von meinen Eltern nach jeder Verabredung genutzt, um sich stundenlang zärtliche Worte ins Ohr zu flüstern und heimliche Küsse auszutauschen, bevor sie sich wieder trennen mussten.

Ein unheimlich romantischer Ort, den wir natürlich nicht ohne –mehr oder weniger– heimliche Küsse verlassen wollten.

Die ersten Serpentinen & Abhänge bei Windstärke 8

Unser Weg Richtung Transfăgărășan hat uns zunächst durch zahlreiche kleine Dörfer geführt, die bereits von der Bergkulisse im Hintergrund begleitet wurden. Der unverkennbare Start der Hochstraße beginnt direkt mit den ersten Serpentinen, die eine Herausforderung für den Fahrer und die empfindlichen Mitfahrer darstellen. Glücklicherweise ist niemandem wirklich schlecht geworden und wir konnten nach ein paar Kilometern die erste grandiose Aussicht genießen. Hinzu kam ein unglaublich starker Wind, der uns beim Aussteigen aus dem Auto fast umgeschmissen hätte.

Soweit so gut: Die Straße war zwar eng, aber bisher zumindest mit Leitplanken gesichert. Je weiter wir nach oben kamen, desto spärlicher wurden sie und desto tiefer wurden auch die Abhänge neben der Straße. Eine beängstigende Kombination über die man lieber nicht allzu intensiv nachdenkt.

Bei der Seilbahnstation, die ca. auf halber Höhe liegt, haben wir den nächsten Stopp eingelegt. Hier gab es einen kleinen Markt, dem wir trotz der ständigen Völlerei nicht wiederstehen konnten. Der zweite Baumstrizel unserer Reise musste her und war noch viel leckerer als der erste.

Einige Serpentinen höher, haben wir den Bâlea Lac, einen wunderschönen Gletschersee zwischen den beiden höchsten Bergen in den rumänischen Karpaten erreicht. Von hier aus hat man eine richtig gute Sicht auf die Straße, die man bis hierher gefahren ist:

 

Der Bâlea Lac & das Schafskäse Panorama Picknick

Da es hier oben spürbar kälter wurde, haben wir uns zunächst windfest eingepackt. Die Begeisterung über die traumhafte Kulisse hat uns von Hügel zu Hügel hüpfen und den Hunger sogar für kurze Zeit vergessen lassen. Lange hat es natürlich nicht gehalten und wir haben uns kurze Zeit später auf die Futtersuche begeben. Auch hier oben gab es einen kleinen Markt, der zahlreiche Leckereien im Angebot hatte. Die Entscheidung fiel auf Weißbrot, Schafskäse, Hüttenkäse und Polenta mit -ratet mal- Schafskäse!

Ein gemütliches Plätzchen war auch schnell gefunden und so konnten wir in traumhafter Panoramalage das von mir so lang ersehnte Picknick genießen.

Wenige Kilometer hinter dem Bâlea Lac hat uns ein langer Tunnel von der siebenbürgischen Seite auf die andere Seite des Gebirges gebracht, die schon zur Walachei gehört.

Der Vidraru Stausee und die gewaltige Talsperre

Ein absolutes Highlight auf dieser Strecke ist der Vidraru-Stausee und die zugehörige Talsperre. Die Straße führt direkt über die Staumauer und bietet einen atemberaubenden Blick in beide Richtungen. Oberhalb der Talsperre haben wir eine Statue entdeckt, die sinnbildlich für die Stromerzeugung steht, die hier betrieben wird.

 

Der Stausee selbst ist über zehn Kilometer lang und lädt durch sein strahlend blaues Wasser und die herrliche Umgebung zum Verweilen ein. Hier kann man verschiedene Bootstouren machen oder, wenn man besonders mutig ist, einen Bungee Jump von der Staumauer wagen. Wir haben beide Alternativen ausgeschlagen und lieber in aller Ruhe die Aussicht und ein kühles Bier im nahegelegenen Biergarten genossen.


 

Hier noch ein bisschen unnützes Wissen, für alle die es interessiert:
Die Talsperre ist insgesamt sechs Meter breit und 307 Meter lang – ein ziemlich beeindruckendes Bauwerk! Um sie fertig zu stellen wurden zahlreiche unterirdische Tunnel mit einer Länge von über 40km benötigt. 1.768.000 Kubikmeter Felsgestein musste ausgehoben und 6300 Tonnen elektromechanische Ausrüstung installiert werden.


Die Fahrt vom Stausee zurück nach Schönberg hat uns noch viele-viele Stunden gekostet, in denen wir Land und Leute beobachten konnten. Besonders auffällig ist die rücksichtslose und gefährliche Fahrweise der Rumänen, die uns so einige Nerven gekostet hat. Zu Hause angekommen gab es zum traditionellen Abschluss des Tages natürlich noch ein paar Runden Pali und einen feucht-fröhlichen Spiele-Abend.

Morgen werden wir hier in Schönberg bleiben und den Tag mit einer Pferdewagen-Fahrt beginnen.

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