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Ruhe und Glückseligkeit in der indischen Wüste

Darf ich vorstellen: Das sind Quinn und Simon – unsere beiden Weggefährten durch die Wüste Thar. Da man alleine nicht “raus” darf, haben wir uns einer Reisegruppe angeschlossen, die von mehreren Einheimischen geführt wurde. Los ging es schon sehr früh am Morgen. Der selbsternannte “Mister Soda” hat uns nach einem kurzen Kennenlern-Frühstück mit seinem Jeep abgeholt und in einer wilden Irrfahrt über Stock und Stein zum Startpunkt gebracht. Dort hat “Raju” mit seiner Kamelherde und weiteren Helfern auf uns gewartet. Tobias -der wegen seines grandiosen Outfits von Mr. Soda zum “Desert King” ernannt wurde- hat Quinn zugewiesen bekommen und ich den lieben Simon.

Nachdem wir die Hürde des ersten Aufstiegs gemeistert hatten, was ohne richtigen Sattel gar nicht so einfach war, sind wir hintereinander in die Wüste reingeritten. “Holterdipolter” sag ich da nur – eine sehr wackelige Angelegenheit, die nach einer Weile von ordentlichen Po-Schmerzen begleitet wurde. Nichts desto trotz war es einfach traumhaft nach den letzten Tagen indischen Städtetreibens in völliger Stille seines Weges zu gehen! Die einzigen Geräusche kamen von den Glöckchen der Kamele und Raju, der sich ab und zu vergewissert hat, dass es allen gut geht. Es lässt sich kaum beschreiben wie wohltuend diese Ruhe war – pure Glückseligkeit, die sehr lange angehalten hat.

Unterwegs gab es einiges zu sehen: Die freilebende Tierwelt, einsame Wüstendörfer und jede Menge interessanter Vegetation. Nach einer Weile haben wir inmitten von Nichts Pause gemacht, um die Kamele zu tränken und Ihnen etwas Ruhe zu gönnen. Da ich als eine der ersten abgestiegen bin, habe ich von Raju eine Bitte zu hören bekommen, über die ich noch lange schmunzeln musste. Eine Bitte, die ich so schnell nicht wieder hören werde:

“Could you please take my camel for a second?”

Als das Wohl der Kamele sichergestellt war, haben wir uns ein schattiges Plätzchen gesucht und bei der Zubereitung des Mittagessens geholfen. Von Feuerholz sammeln über Schnippeln und Würzen, hin zu einem super leckeren Mittagessen. Gegessen wurde mit den Fingern und abgewaschen nicht mit Wasser, sondern mit Sand. Raju hat zusätzlichen frischen Chai zubereitet, der unglaublich lecker war.

Auf dem zweiten Abschnitt unserer Route haben wir sogar noch mehr freilebende Tiere gesehen: Kamele, Kühe, Katzen, Hunde, Schafe, Ziegen, Krähen, Pfaue, Schweine, Springböcke und vieles mehr. Da fragt man sich ernsthaft wie sie es schaffen hier zu überleben.

Zwei Stunden später  sind wir an unserem Quartier angekommen. Hier zwischen riesigen Sanddünen werden wir den Abend und die Nacht verbringen. Schlafen unter freien Sternenhimmel – was gibt es Schöneres? Vorher sind wir aber erstmal fröhlich durch die Dünen gesprungen und haben -nach einer kurzen Wanderung- einen tollen Platz für den Sonnenuntergang gefunden. Zusammen mit ein par anderen aus unserer Gruppe, sind wir am Rande einer Düne gesessen und haben über das Leben, das Reisen und die unterschiedlichen Mentalitäten philosophiert.

Während wir den Sonnenuntergang genossen haben, hat Raju mit seinen Jungs schon mal das Abendessen vorbereitet. Rings um ein kleines Lagerfeuer wurde getrunken, gegessen, gesungen und gelacht! Die Atmosphäre war einzigartig und durch die Umgebung und indischen Gesänge ein unvergessliches Erlebnis. Genauso wie die Nacht: Zwischen den Kamelen im Sand liegend und eingepackt in einige dicken Decken, sind wir unter dem allerschönsten Wüsten-Sternenhimmel eingeschlafen. Hier ein kleiner Tipp am Rande: Wer ähnliche Pläne hat, sollte auf jeden Fall sehr warme Kleidung mitnehmen – es wird nachts ziemlich windig und kalt.


 Nachts  am Lagerfeuer


Für die nötige Wärme am frühen Morgen hat Raju gesorgt, indem er jedem einen frisch aufgebrühten Chai “ans Bett” gebracht hat. Begleitet von der aufgehenden Sonne und den anderen Tieren, die sich während der Nacht um unser Lager gruppiert hatten, war auch das ein einzigartiger Moment, den wir so schnell nicht mehr vergessen werden.

Nach einem kleinen Frühstück für Mensch und Tier ging es auch schon wieder Richtung Jaisalmer. Heute war es besonders schmerzhaft und wir waren trotz aller Begeisterung am Ende froh wieder absteigen zu können und festen Boden unter den Füßen zu haben. Nach einer traurigen Verabschiedung von Raju, Quinn und Simon, die ich unheimlich ins Herz geschlossen hatte, sind wir in den Jeep von Mr. Soda gestiegen und haben uns in die Stadt fahren lassen.

Zurück im Hostel gab es erstmal eine wohlverdiente Dusche inklusive “natürlichem Peeling” durch die vielen Sandkörner, die wir in der Wüste eingesammelt hatten. Jetzt gibt es erstmal eine Stärkung und dann geht es weiter nach Jodhpur. Diesesmal allerdings nicht mit dem Zug, sonderm dem Bus.


 

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