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Phnom Penh und die Völkermorde von Pol Pot

Heute war definitiv einer der bedrückendsten Tage meiner Reise. Leider sind es meistens die, an denen ich mich mit der Geschichte auseinandersetze – in diesem Fall der Schreckensherrschaft der Roten Khmer unter Saloth Sar (mittlerweile unter Pol Pot bekannt).

Gegen Ende des zweiten Indochinakrieges drangen die Nord-Vietnamesen, verfolgt von US-amerikanischen und südvietnamesischen Truppen, immer tiefer nach Kambodscha. Da vermutet wurde, dass sich die Vietcong im Osten Kambodschas verstecken, gab es hier besonders viele Angriffe wodurch unzählige kambodschanische Zivilisten ums Leben kamen.

1975 glaubten die Menschen endlich Frieden zu finden als die kommunistische Seite der kurz zuvor entstandenen Herrschafft von Sihanouk –die Khmer Rouge-  in Phnom Penh einmarschierten. Der Krieg schien vorbei zu sei. Leider falsch – er hatte nur eine andere Richtung genommen! Die kommunistische Partei unter Pol Pot hatte es sich zum Ziel gesetzt, das ganze Land in einen reinen Bauernstaat zu verwandeln.

Ein erster, harmloser Schritt war, dass die gesamte Bevölkerung aus Phnom Penh und anderen Provinzstädten gewaltsam in ländliche Regionen umgesiedelt wurden. Dort wurden sie dazu gezwungen eine neue Existenz als Kleinbauern aufzubauen. In seinem Wahnsinn befahl Pol Pot anschließend die Massenexekution von allen Intellektuellen wie Lehrern, Schriftstellern und Ärzten inklusive deren Familien – egal ob Baby, Kind oder Greis! Sogar das Tragen einer Brille galt als Anzeichen für Intelligenz und wurde als Verbrechen mit dem Tod bestraft. Das Ganze dauerte vier Jahre lang bis 1979 die Vietnamesen einmarschierten. Zu diesem Zeitpunkt gab es schon mindestens eine Million Opfer – das zur Vorgeschichte!

Heute bin ich noch mal besonders früh aufgestanden um mir, vor meiner Rückreise nach Vietnam, das Völkermordmuseum Toul Sleng und Choeung Ek – die Killing Fields anzuschauen.

Toul Sleng ist eine ehemalige High School aus deren Klassenzimmer die Roten Khmer das berüchtigte S-21 Gefängnis gemacht haben. Hier wurden durchschnittlich 1500 Gefangene untergebracht, die mit samt ihren Familien verhört, gefoltert und dann ermordet wurden. Die oberen Stockwerke sind mit Stacheldrahtzaun gesichert, um zu verhindern, dass die Gefangenen sich selber umbringen. Die Zellen sind entweder aus Stein oder Holz und gerade mal groß genug, um auf dem Boden eine Person festketten zu können. In den Ausstellungsräumen sieht man endlose Tafeln mit nummerierten Opfern, die von den Khmern sorgfältig dokumentiert wurden.

Insgesamt sollen 13.000-20.000 Gefangene in Toul Sleng gewesen sein, von denen gerade mal 7 überlebt haben!!!

Choeung Ek liegt 12km von Phnom Penh entfernt und wurde von den Roten Khmern für ihre Massenmorde genutzt. Viele Gefangene aus Toul Sleng sind ebenfalls hierher gebracht worden. Anfangs wurden die Männer, Frauen und Kinder sofort erschossen, aber im Lauf der Zeit gab es Sparmaßnahmen – d.h. sie wurden erstochen oder erschlagen, damit die Khmer Munition sparen konnten. Das ging so weit, dass sie die Gefangenen bei den Transporten einfach hinter das Fahrzeug gebunden und gehofft haben, dass sich das Problem von alleine löst.

Sobald man das Gelände betritt, fährt es einem eiskalt den Rücken runter und dieses grauenhafte Gefühl hält so lange an, bis man hier wieder weg ist. Das große Memorial in der Mitte zeigt die Überreste von 8985 Menschen, die 1980 aus 86 Massengräbern geborgen wurden. Bis heute gibt es immer noch 43 ungeöffnete Massengräber, die deutlich zu erkennen sind. Zudem gibt es Regale in denen Schädel, Knochen und Kleidungsreste der Opfer liegen -geordnet nach Alter und Geschlecht. Das ist ein grausamer Anblick, den man so schnell nicht vergisst.

Ein mehr als beklemmendes Gefühl an einem Ort zu sein, wo so Etwas passiert ist.

 Zurück in der Stadt hatte ich nach den Stunden des Grauens zum ersten Mal das Gefühl, wieder frei durchatmen zu können. Jetzt heißt es erstmal Rucksack packen und zurück nach Vietnam.


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