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Eine Reise zum Mittelpunkt Rumäniens

Nicht nur eine Headline, sondern Realität: Neben der Ortseinfahrt in mein Heimatdorf Schönberg (Dealu Frumos) liegt der geografische Mittelpunkt Rumäniens. Schon im vergangenen Jahr war ich mit meiner Familie hier, um den Ort, an dem ich die ersten drei Jahre meines Lebens verbracht habe, kennenzulernen. Da es mir unheimlich viel Spaß gemacht hat und ich mich heimlich in die großartige Landschaft Siebenbürgens verliebt habe, war klar: Ich komme wieder! In diesem Jahr allerdings in anderer Konstellation: Papa, Tobi, Julia und Michael!

Anreise mit Hindernissen

Früh morgens sind wir zu fünft Richtung Flughafen gestartet und völlig entspannt zum Check-In Schalter gegangen. Die Entspannung und Vorfreude war aber schlagartig vorbei als wir von Blue Air darauf hingewiesen wurden, dass Tobis Ausweis fehlt – er hatte anstatt seinem Reisepass meinen eingepackt. Geschockt von der Erkenntnis, dass er nicht mitfliegen kann, wussten wir erstmal nicht was wir nun tun sollen. Zum Glück haben wir den Hinweis bekommen, dass die Bundespolizei am Flughafen eventuell einen Ersatzausweis ausstellen könnte. Da die Zeit knapp war, sind wir sofort losgerannt und konnten einige Komplikationen später tatsächlich mit dem Ersatzausweis einchecken.

Die Komplikationen haben damit aber nicht geendet! Weiter ging es mit einem positiven Sprengstofftest an meinem Rucksack. Nach einem zweiten Test wurde der Verdacht aber wieder zerschlagen und ich durfte weiter Richtung Gate. Glücklich nun doch zu fünft in den Flieger zu steigen, haben wir die zwei Stunden Flug für ein erholsames Nickerchen genutzt.

In Hermannstadt (Sibiu) hat unser Mietwagen schon auf uns gewartet und für die nächsten Hindernisse gesorgt. Das vorher bestellte Navi war nicht drin und wir mussten erstmal zum Standort der Autovermietung fahren, um es dort abzuholen. Gesagt getan: Das Navi wurde uns zur Verfügung gestellt, hat aber nicht funktioniert. Also ging es nach zahlreichen Reparaturversuchen weiter in den nächsten Elektromarkt, wo uns die nette Mitarbeiterin einfach ein neues gekauft hat.

Durch das lange Hin- und Her hatten sich Wind und Wetter beruhigt, wodurch wir noch einen kleinen Abstecher in die Altstadt machhen konnten.

Hermannstadt und die ersten Leckereien

Völlig ausgehungert haben wir uns zu allererst auf die Suche nach einem traditionellen Restaurant gemacht und schon kurze Zeit später die erste Polenta mit Schafskäse bestellt. In Kombination mit den vielen anderen Leckereien war es ein gelungener Einstieg in 5 Tage ausgiebiger Völlerei. Direkt nach dem Essen haben wir auch schon den ersten frischen Baumstrizel entdeckt, den wir uns natürlich trotzdem nicht entgehen lassen konnten.

Das Witzige an den Häusern hier ist, dass viele Dachfenster wie Augen aussehen und einen auf Schritt und Tritt beobachten. Auf dem kleinen Markt an der Lügenbrücke gab es dann auch schon die erste „Überrschung“ in Form von diesem süßen Armband, das mich hoffentlich noch auf viele weitere Reisen begeleiten wird:

 

Da wir nicht allzu spät in Schönberg ankommen wollten, haben wir uns relativ schnell wieder auf den Weg gemacht. Es sind zwar nur 60km aber bei den Straßenverhältnissen hier, können sich wenige Kilometer endlos ziehen.

Schönberg und der Welcome-Schnaps

Vorbei an unzähligen Schafsherden, traditionellen kleinen Bauerndörfern und Natur pur sind wir nach einer Stunde bei unseren Gastgebern in der Flachsgasse angekommen. Oprean und Dana sind zwei super herzliche Freunde von Papa, die uns -wie es hier so üblich ist- direkt mit einem Gläschen Schnaps in Empfang genommen haben. Für Frauen gibt es neben dem Pali wahlweise auch Kirschlikör, der etwas milder ist. Ihn komplett abzulehnen kommt keinesfalls in die Tüte – das wäre eine Beleidigung.

Wie im letzten Jahr hab ich mich hier sofort wohl gefühlt und die anderen voller Tatendrang zu einer ersten Dorferkundungstour überredet.

An dem einzigen kleinen Supermarkt, der nicht größer als ein Wohnzimmer ist, haben wir die ersten Pufuletti gekauft. Die kleinen, fast geschmacklosen Maismehl Puffer haben die anderen sofort begeistert und wurden in den nächsten Tagen massenhaft verzehrt. Es war irgendwie ein seltsames Gefühl den Hof zu sehen auf dem ich als Kleinkind gelebt habe, die Kirche in der ich getauft wurde oder auch die vielen anderen Erinnersungsstücke, die ich meist nur von Bildern kenne. Umso schöner ist es, das alles mit den Menschen teilen und entdecken zu können, die einem am Herzen liegen!

 

Zurück bei Oprean und Dana gab es unser erstes Vesper, das gleichzeitig charakteristisch für unsere Reise wurde: Weißbrot, Schafskäse und Unmengen an Flesich. Besonders lecker war das frische Gemüse aus dem Garten und der selbstgemachte Auberginen-Brotaufstrich, den wir hier Vinette nennen.

 

Einige Palis und zahlreiche Geschichten später sind wir völlig erledigt und kugelrund ins Bett gefallen. Für morgen haben wir einen Ausflug in die Karpaten geplant, auf den wir uns schon sehr freuen.

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