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Die unsichtbaren Berge im Norden Vietnams

Kurz nachdem ich den Blogeintrag von Ha Long Bay hochgeladen hatte, bin ich schnell noch zum Supermarkt gegangen, um ein bisschen Proviant für die Nacht im Zug zu kaufen. Beim Bezahlen hab’ ich gemerkt, dass ich mal wieder einen ATM aufsuchen könnte und mich gefreut, dass direkt nebenan einer stand. Meine Kreditkarte hineingeschoben und darauf gewartet den Pin einzugeben, ist nach einer halben Minuten immer noch nichts passiert. Weder hat der Automat auf meine Karte reagiert noch hat er sie wieder hergegeben. Nach längerem Warten, hab ich panisch die Nummer angerufen die auf dem ATM stand, um kurz danach festzustellen, dass die nette Dame kein Wort Englisch spricht. Super! Kreditkarte weg, der Zug wahrscheinlich auch gleich und ich keine Ahnung wie ich aus dem Schlamassel wieder raus kommen soll. So schnell wie es mit dem Rucksack ging, bin ich zu meinem Hostel gerannt und hab der Besitzerin atemlos berichtet was passiert ist und sie darum gebeten für mich dort anzurufen. Gesagt, getan – allerdings sind wir hier in Südostasien und daher lautete die Antwort, dass frühestens in 2 Tagen einer kommen könnte um die Kreditkarte zu befreien. Ich solle wenn ich zurück in Hanoi bin mit meinem Pass zur Bank kommen und dann würde ich meine Kreditkarte wieder bekommen.

Sie hat mich allerdings beruhigt und meinte ich soll ruhig fahren, denn ich könnte hier sowieso nichts anderes tun als 2 Tage warten. Da mir klar war, dass sie Recht hat, bin ich mit einem äußerst seltsamen Gefühl ohne meine Kreditkarte wieder losgestürmt und hab’ den Zug sogar noch bekommen.

Der Zug war wie man ihn sich vorstellt alt, rostig und schäbig, hatte aber überraschenderweise recht nette Schlafkabinen. Was absolut gar nicht ging war die Toilette, falls man das kleine, dreckige Loch in der winzigen Kammer ohne schließbare Tür und tropfender Decke so nennen kann. Immerhin gab es in einer anderen Kammer ein funktionierendes Waschbecken und ich konnte meine Zähne putzen und mich in mein Bettchen verkriechen.

Voller Vorfreude auf die 7 Stunden Schlaf wurde ich schon bald zurück in die Realität befördert. Die Fahrt war laut und mehr als ruckelig – ich bin ständig von der Wand an’s Gitter und zurück geflogen, was das Schlafen unmöglich gemacht hat Um kurz nach 5 bin ich ausgestiegen und mein erster Gedanke war, dass ich im falschen Zug saß, denn ich bin hier nicht in Lao Cai sondern in der vernebelten Antarktis gelandet. Es war bitterkalt und hat geregnet, also die beste Voraussetzung für den anstehenden Trekking-Tag.

Nichts desto trotz bin ich immer noch optimistisch in den Bus gestiegen und eine Stunde später in dem kleinen Bergstädtchen Sapa angekommen. Von den wunderschönen Bergen hab ich allerdings absolut gar nichts gesehen, weil es dermaßen neblig war, dass man kaum die eigene Hand vor Augen sehen konnte. Im Hotel haben wir uns direkt mit Gummistiefeln und Trekkingsohlen ausstatten lassen und sind zu fünft auf den ersten Wanderpfad Richtung eines kleinen Hmong-Dorfes gestartet. Die Hmongs gehören zu einem der hier lebenden Bergvölker und stellen somit eine der vielen ethnischen Minderheiten dar. Bereits im Bus hab ich eine super nette Australierin kennengelernt, mit der ich heute den Tag verbracht hab’.

Das Schöne war, dass wir auf dem Weg zum Hmong-Dorf einige der Hmong- und auch 2 der Daofrauen getroffen haben, die auf dem Weg zum Markt waren, um ihre handgemachten Waren zu verkaufen. Durch ihre Arbeit auf dem Markt konnten sie ein paar Brocken Englisch und wir haben uns eine Weile mit ihnen unterhalten. Die kleinere der beiden Frauen mit dem Baby auf dem Rücken, hat fröhlich festgestellt, dass ich nur ein Jahr älter bin als sie und sofort nach meinen Kindern gefragt. Sie hat hier üblicherweise schon mit 16 geheiratet und das Baby auf ihren Rücken ist das dritte Kind.

Nachdem wir den Wasserfall erreicht hatten und es immer noch nicht aufgehört hatte zu regnen, haben wir beschlossen den Trip abzubrechen und den Tag in Sapa zu verbringen. Mittlerweile war es etwas wärmer geworden und wir haben uns das Stadtmuseum und die Märkte angeschaut. Gegen Abend wurde es allerdings wieder bitterkalt und wir beide haben es uns schnell in einem kleinen Café gemütlich gemacht. Nach stundenlangem Erzählen, einigen Lachanfällen über den Reinfall des Tages und literweise heißem Tee sind wir zurück ins Hotel gegangen und haben uns wie die kleinen Kinder über die Heizdecken gefreut, die wir bekommen haben. Die Hotelangestellten meinten nämlich, es sei schon lange nicht mehr so kalt gewesen wie heute Abend.

Morgen wollen wir ganz besonders früh aufstehen und 15 km in die andere Richtung  wandern, wo es drei weitere Dörfer gibt, die nicht so touristisch und noch recht ursprünglich sein sollen. Vorher müssen wir allerdings ganz, ganz fest hoffen, dass das Wetter morgen besser ist!

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