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Chinesische Fischernetze und Folklore in Kochi

Ein typischer Morgen in Indien: Der Nachtbus schmeißt uns ohne Erklärung zwei Ortschaften vor dem eigentlichen Ziel raus und die dort wartenden Rikschafahrer verlangen Unmengen an Geld, um uns dorthin zu bringen. Da kann das Nervenkostüm schon mal etwas dünner werden, vor allem wenn die Nacht von sich übergebenden Mitfahrern und tösendem Lärm anstatt Schlaf begleitet wurde.

„So nicht“, haben wir uns gedacht und Ihnen den Rücken zugekehrt. Es muss auch irgendwie anders gehen. Ein paar Straßenecken weiter haben wir schließlich eine kleine Bushaltestelle gefunden und uns an einen relativ gut englisch sprechenden Inder geheftet. Er hat uns von einem in den anderen Bus gewunken, bis wir schließlich im richtigen Bus nach Ernakulam und Fort Kochi saßen, bzw. standen. Die Busse hier sind mehr als überfüllt und es herrscht eine strenge Geschlechtertrennung. Die Frauen sitzen vorne und die Männer sitzen hinten. Fenster und Türen gibt es keine, aber dafür laute Volksmusik, die alle anderen Lärmquellen übertönt.

 

Hier ein leeres Exemplar, das gerade nicht in Betrieb war. Normalerweise sind da mindestens 60-70 Leute drin.

Direkt hinter dem Busbahnhof kann man schon die ersten Blicke auf eines der Highlights hier ergattern: Die chinesischen Fischernetze.

Die chinesischen Fischernetze

Sie gehören zu Keralas Postkartenmotiven und sind durch ihre Größe kaum zu übersehen. Es braucht mindestens fünf Männer um eines davon in Gang zu setzen. Der Grund sind die schweren Gewichte, die an dem Seilzug befestigt sind, um das Netzt aus dem Wasser zu ziehen. Wie das genau aussieht, könnt ihr euch hier anschauen:

 

Der Appetit auf die frisch gefangenen Fische vergeht einem allerdings sofort wieder, wenn man sich etwas genauer umschaut. Müll, Dreck und tote Tiere ziehen sich die komplette Strandpromenade entlang und trüben die erste Begeisterung im Nu.

Ein Nachmittag in Kochi

Nachdem wir endlich unser Hostel gefunden und die Nacht im Bus abgeduscht hatten, war unser nächstes Ziel Kochi zu erkunden und die zwei Tage in den Backwaters zu organisieren. Der Nachmittag hat dafür gut ausgereicht und wir haben es nicht bereut, nur einen Tag hier eingeplant zu haben. Besonders angetan hat es uns ein kleiner Holzhändler, der wunderschöne hölzerne Ganesha Figuren verkauft hat. Schweren Herzens haben wir sie alle dort stehen lassen und sind zurück an den Strand spaziert. Genau da pulsiert das Leben und die Promenade läd zum Verweilen und Beobachten ein.

Was man sich in Kochi auf gar keinen Fall entgehen lassen sollte, sind die keralischen Formen des rituellen Theaters. Es handelt sich dabei um Tanzdramen namens Kathakali, die einen großen Teil des kulturellen Lebens hier ausmachen.

Rituelles Tanztheater

Kathakali bedeutet wortwörtlich übersetzt „Geschichtenspiel“ und die Darsteller versuchen dabei weltliche Geschichten pantomimisch in das Reich der Götter und Dämonen zu übertragen. Einer der Tänzer hat es einmal so erklärt:

„Hier geht es um die Tradition der Trancetänzer, um die absolute Unterwerfung des Körpers unter den Geist, um die kosmische Transformation des Menschlichen zum Göttlichen.“

Die meisten Tänzer fangen schon als kleine Kinder an sich ausbilden zu lassen. Es dauert bis zu zehn Jahre bevor aus ihnen richtige Darsteller werden. Darstellerinnen gibt es keine, denn die Rollen werden ausschließlich von Männern gespielt. Hier könnt ihr euch ein Bild davon machen:

Das maskenähnliche Make-up bedarf einer langen Vorbereitungsphase, die man ebenfalls beobachten kann, wenn man früh genug im Theater ist. In Kochi finden die Vorstellungen zwar täglich statt, man sollte aber dennoch frühzeitig Karten kaufen, um gute Plätze zu ergattern. Wir haben uns die Vorstellung im Folklore Cultural Theatre direkt neben dem Busbahnhof von Fort Kochi angeschaut. Das schminken findet hier auch schon auf der Bühne statt und lohnt sich definitv mit anzuschauen.

Morgen erwartet uns nun endlich der zweitägige Trip in die Backwaters, worauf wir uns schon sehr lange freuen!

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