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15 km durch Kälte, Schlamm und Regen

Als ich heute wie geplant besonders früh aufgestanden bin, musste ich erstmal feststellen, dass ich mich über Nacht gar gebraten hatte. Ich bin wohl eingeschlafen bevor ich die Heizdecke von der höchsten Stufe in den mittleren Bereich runterstufen konnte.

Mit der Australierin von gestern, 2 Kanadiern und einem Pärchen aus Wales hab’ ich mich zum Frühstück getroffen und die heutige Wanderung noch mal besprochen. Im Hotel wurde uns gesagt, dass die zwei Bergdörfer die wir sehen wollten mehr als 15 km Fußmarsch über steile Abschnitte und durch den Regen komplett vermatschten und glitschigen Boden bedeuten. Sie würden uns außerdem nicht empfehlen ohne Guide los zu marschieren weil man sich wohl schnell verläuft und es nicht überall richtige Wege gibt. Da wir alle nicht wirklich gute Orientierungskünstler sind, haben wir uns tatsächlich einen Guide genommen, was im Nachhinein wirklich sehr hilfreich war. Die Hoffnung auf gutes Wetter und somit endlich die gewünschte Aussicht hatte sich aber auch heute schnell erledigt, als wir wieder mal im Regen und dichtem Nebel gestartet sind.

Um so weiter wir in’s Bergland reinkamen, desto mehr Hmong- und Daofrauen sind uns begegnet und zum Teil ein Stück mit uns gelaufen. Unterhalten konnten wir uns heute zwar nicht mit ihnen aber dafür hab‘ ich ein Herz aus Grünzeug geschenkt bekommen – total süß. Richtige Wege gab es tatsächlich nicht überall und wir sind stellenweise bis zur Hälfte der Wade im Schlamm versunken. Von einem der Kanadier ist sogar der Gummistiefel einmal stecken geblieben und er dabei der Länge nach komplett in den Schlamm gefallen. Das sah’ vielleicht lustig aus! Er hat sich aber nichts daraus gemacht, sondern kräftig mitgelacht und sich von einer Hmong-Frau befreien lassen. Da sie und ihre Begleiterinnen auf dem Weg in ihr Dorf waren, sind wir die restlichen drei Stunden gemeinsam gelaufen. Man glaubt es kaum aber irgendwann hat es aufgehört zu regnen, der Nebel hat sich etwas gehoben und wir hatten plötzlich doch noch Sicht auf die unendlich wirkenden Reisterassen der Berghänge.

Anders als gestern, hat man hier wirklich gesehen wie die Menschen leben. Zur Abwechslung hat auch keiner versucht uns was zu verkaufen und ich hab’ nun endlich das Gefühl, meine Mission, des Bergvölker-Erkundens, erfüllt zu haben. Da es schon ziemlich spät war und wir den Rückweg nicht rechtzeitig geschafft hätten, hat unser Guide im Hotel angerufen und uns an einer befahrbaren Stelle abholen lassen. Bis dorthin mussten wir gerade mal eine halbe Stunde laufen und konnten anschließend auf der fast zweistündigen Rückfahrt ausgiebig entspannen.

Zurück am Hotel hab’ ich dann den Bus nach Lao Cai, der Grenzstadt zu China, genommen wo ich mittlerweile schon wieder im Nachtzug nach Hanoi sitze.

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